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Was war das für 1 Jahr!?

Was für 1 Jahr!?

Donald Trump immer noch Präsident, AfD im Bundestag. Alles doof, könnte man meinen.

Aber verglichen mit 2016 war 2017 für mich persönlich besser.

Ich habe von Februar bis Ende März 3 Hausarbeiten im Schweiße meines Angesichtes abgegeben, obwohl ich aufgrund meines (krankhaft) hohen Leistungsanspruchs mir immer wieder die Frage gestellt habe nach dem Sinn dieser Aktivitäten, wo man dabei doch nur bereits existentes Wissen zusammen fasst, komprimiert, mit eigenen Worten wieder gibt und darauf dann in unserem zensurenbasierten Ausbildungssystem eine nichtssagende Note bekommt. Was ich nicht vereinbaren kann mit meinem Anspruch, sich selbst und die Forschung in einem bestimmten Gebiet in einem Studium ständig weiter zu entwickeln. Aber egal.

Es folgten zwei weitere Hausarbeiten im August, die letzten in diesem Masterstudiengang, die ich dann auch noch widerwillig abarbeitete.

Aktuell bin ich seit Mitte Oktober mit der Masterthesis beschäftigt.

Im April habe ich dann, nach einigen schlaflosen Nächten davor, für den Landesvorstand der GRÜNEN JUGEND Thüringen kandidiert und wurde auf der entsprechenden Landesmitgliederversammlung zum Politischen Geschäftsführer dieses wunderbaren Landesverbandes gewählt.

Eine wunderbare Zeit, in der ich gemeinsam mit den anderen Mitstreiter*innen im Landesvorstand unseren Landesverband gestalten und Verantwortung übernehmen konnte, begann. Immer wieder verbunden mit der Frage, wie man die Stärken der Stillen nutzen, ihnen Gehör verschaffen kann.

Wir stritten zusammen für mehr Waldwildnis in Thüringen, die Abschaffung von Gefahrenzonen, Ehe für Alle, Queerfeminismus. Wir machten in Thüringen den besten Bundestagswahlkampf meines Lebens. In grünen Hochburgen, in Regionen, wo wir es schwer haben, als Eisbär verkleidet gegen Klimawandel, als Einhorn verkleidet für Queerfeminismus, mit diversen Sofas für eine Stadt für Alle.

Wir veranstalteten eine zweite LMV zum Thema Postwachstum, wo wir außerdem über psychische Erkrankungen, nicht-binäre Geschlechtsidentitäten und wie wir entsprechende Personen fördern können sowie gezwungenermaßen auch Jamaika redeten und ich entsprechende Anträge formulierte, zum ersten Mal seit 9 Jahren in der GRÜNEN JUGEND.

Immer wieder unterstützten wir auch unsere Ortsgruppen bei der für den Verband zentralsten Arbeit vor Ort.

Was mir dabei wie nie zuvor deutlich wurde: Die GRÜNE JUGEND ist ein toller Ort, um Dinge auszuprobieren, mit einem gewissen Spielraum, Fehler zu machen, die menschlich sind und immer passieren können und werden, wenn man sie sich anschließend eingesteht. Dann kann man sich selbst und den Verband weiter entwickeln, also genau das tun, was mir mein Studium bis zum Beginn meiner Masterthesis nie gegeben hat. Allen, die das ermöglicht haben, danke ich herzlich.

Ich habe 2017 gelernt, Reden zu halten (auch wenn ich damit noch nicht zufrieden bin), mich durchzusetzen (teilweise), Neues auszuprobieren (habe ich wirklich so viel Neues ausprobiert?), Scheitern als Chance zu sehen.

2018 in drei Worten: Gesundheit, Masterjob, Politik.

Danke Merkel!

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Perspektiven nach Jamaika

Aus taktischen Gründen hat die FDP die Jamaika-Sondierungen nach der Bundestagswahl platzen lassen.

Aus inhaltlicher Sicht wäre aber auch fraglich gewesen, ob die Grünen in dieser Konstellation nicht irgendwie untergegangen wären.

Außerdem wirft der Prozess einige Fragen auf. Es kamen ständig Kompromisse der Grünen, von CSU und FDP kam aber wenig. Wie weit hätte man noch gehen müssen?

Als dann eine Akzeptanz des atmendenden Deckels (Aufnahme von maximal 200.000 Geflüchteten pro Jahr), eine weitere Aussetzung des Familiennachzugs sowie die Ausweitung von Ländern, die als sichere Herkunftsstaaten gelten sollen, durch einige Grüne in Aussicht gestellt wurden am Sonntag irgendwann, wurde mir schon ziemlich schlecht.

Warum hat niemand auch CSU und FDP mal was abverlangt?

Was bleibt, ist die Frage, wie dieses Land jetzt regiert werden kann.

Die SPD steckt in einem noch größeren Dilemma, wie Erik Marquardt (ehemaliger Sprecher der GRÜNEN JUGEND) es diese Woche gut beschrieben hat: Entscheidet sie sich jetzt für Neuwahlen bzw. gegen eine Große Koalition, gilt sie als destruktiv, entscheidet sie sich für eine Große Koalition und damit gegen Neuwahlen, wird sie 2021 zu einer SPD unter der Würde der SPD.

Für die Grünen gilt es jetzt zu überlegen, wie man progressive Politik machen und gleichzeitig dafür (linke) Mehrheiten gewinnen kann.

Es bleibt spannend!

Demokratie verteidigen, jetzt!

Die AfD ist in letzter Zeit in 13 Landesparlamente eingezogen. Langsam, aber immer heftiger, tritt dadurch eine Verrohung der parlamentarischen Demokratie ein.

Man erkennt Parallelen zur Weimarer Republik. Die Demokratie wird instabiler. Geflogenheiten wie gegenseitiger Respekt bei gleichzeitiger Verschiedenheit und einfachste Regeln der Kommunikation werden torpediert. Vieles ist nicht mehr selbstverständlich in politischen Prozessen. Alles muss erkämpft werden.

Morgen werden zum ersten Mal nach 1945 wieder Nazis in den Reichstag einziehen. Die Frage ist nur noch, wie viele. Da kann man alle Umfragen drehen und wenden, wie man will. Es ist auch fahrlässig, davon auszugehen, die AfD werde sich schon durch Selbstzerfleischung schnell wieder von alleine erledigen oder sonst wie dieses Problem klein zu reden.

Auch im Bundestag wird sich, wie bisher in 13 Landesparlamenten der Bundesrepublik, die Debattenkultur ändern: viele persönliche Beleidigungen, viele Ordnungsrufe, viel Niederbrüllen von Demokrat*innen.

Der friedliche Kampf um, mit und für Demokratie darf nicht morgen an der Urne enden. Er muss weiter gehen.

Wir müssen diese Auseinandersetzungen auf der Straße führen, bei Gegendemonstrationen, in Bündnissen, in Parteien, in Vereinen, in der Zivilgesellschaft. Stärker als jemals zuvor.

Damit wir dabei eine starke Lobby im Parlament haben, geht morgen zur Wahl!

Wählt demokratisch,
für echten Klimaschutz,
gleiche Rechte für alle,
eine Stadt für alle.

Zweitstimme grün!

Abschiedsrede Klaus Hansen

Wie versprochen veröffentliche ich nun die Abschiedsrede, die ich während der Abschiedsvorlesung von und mit Klaus Hansen gehalten habe. Es gilt das gesprochene Wort.

Einleitung

Jetzt ist es also soweit.  Der begnadete Politikwissenschaftler Prof. Dr. Klaus Hansen wird seinen Lehrstuhl räumen. Anlässlich dieses einschneidenden Ereignisses möchte ich dazu ein paar Worte verlieren: Mit Klaus Hansen geht nicht irgendjemand. Der Fachbereich Sozialwesen der Hochschule Niederrhein verliert heute einen seiner Besten.

Zur Person Klaus Hansen

Es handelt sich hier um eine Vertrauensperson, die immer auf der Seite der Studierenden war, immer für uns „da“ war, auch außerhalb der Dienstzeit. Immer hatte Klaus ein offenes Ohr für unsere Anliegen. Wir verlieren einen Menschenfreund, einen Praktiker, der immer wieder versucht hat, aus diesem immer schlechter werdenden verschulten Bildungssystem das Beste heraus zu holen, für alle Beteiligten.

Klaus Hansen war Kritiker und Mahner, ein Meister seines Fachs, der Politik und der Wissenschaft, der Politikwissenschaft. Bei allen wichtigen Studentenprotesten und Besetzungen von Hörsälen, als es noch politische Partizipation und eine politische Kultur an deutschen Hochschulen gab, war er dabei, in Gedanken und nicht selten auch vor Ort.

In seinen Seminaren zeichnete er sich stets durch eine einzigartige Didaktik aus, wodurch jede Lehrveranstaltung bei ihm diese Bezeichnung wirklich auch verdiente. Die Veranstaltungen bei Klaus Hansen wirkten lange nach, im positiven Sinne, die Kapitel wurden nicht einfach abgehakt, wie beispielsweise unter vielen Sozialarbeitern nach einer BWL-Vorlesung. Man dachte weiter darüber nach, weil er es geschafft hatte, jemanden dazu zu animieren, man las freiwillig zusätzliche Literatur zu den von ihm behandelten Themen.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Lehrenden löste Klaus relativ schnell das Machtgefälle zwischen seinen Studierenden und sich selbst dadurch auf, dass er Seminare mit den Worten begann: Mein Name ist Klaus Hansen. Wir duzen uns hier. Damit waren alle Formalitäten beseitigt und alle Unklarheiten geklärt.

Politisch gesehen also gelebte Basisdemokratie. Kommunikation auf Augenhöhe.

Selbst politisch ungebildete und desinteressierte Studierende konnte Klaus Hansen irgendwann für sich persönlich gewinnen. Durch seine sympathische Art und Weise, auf Menschen zu zugehen.

Der ewige Student

Dass Klaus eigentlich immer irgendwie auch noch selbst ein bisschen Student war, wurde besonders deutlich in seiner Funktion als Tutoriums-Beauftragter des Fachbereichs Sozialwesen der Hochschule Niederrhein.

Die Koordination der Einführungswoche, die von Studierenden aus höheren Semestern für Erstsemesterstudierende durchgeführt wird, wurde dabei jedes Wintersemester von ihm begleitet. Er betreute uns. Er war da, wenn wir nicht mehr weiter wussten. Und seine Ansprachen und Hinweise zum Studium bei uns als Erstsemesterstudierenden damals sowie vor unseren Erstsemesterstudierenden im Rahmen der Tutorien, die wir mitgemacht haben, werden wohl in die Geschichte eingehen. Am Ende kam immer etwas wie: Nächste Woche beginnt der Ernst des Lebens. Diese Woche haben Sie hier viel Spaß gehabt mit Ihren Tutoren. Aber ich hoffe, dass Sie weiterhin viel Spaß in Ihrem Studium haben werden. Klaus Hansen war immer daran gelegen, dass man auch mal über den Rand der Skripte hinaus guckte, was denn da noch so sein könnte, in den Hochschulgremien, in der Praxis und im alltäglichen Leben. Und die Wichtigkeit dessen versuchte er allen Studierenden von Anfang an jedes Jahr erneut zu verdeutlichen.

Wir lernten von Klaus schnell, dass die Qualität eines Studiums nicht nur darin liegt, Wissen zu konsumieren, ohne darüber nachzudenken, um es anschließend in der Prüfungsphase abrufen und danach wieder komplett vergessen zu können. Auch heute ist daher die Überschreitung der Regelstudienzeit bei gleichzeitigem Vorliegen entsprechender Gründe kein Anlass zur Panik. Es ist legitim und aufgrund der Tatsache, dass ein Studium – immer noch – ein psychosoziales Moratorium darstellt, auch für die persönliche Entwicklung sehr förderlich, neben dem Studium das Leben nicht zu vergessen und außerdem individuell interessanten Inhalten etwas näher auf den Grund zu gehen. Das ist so oder sollte zumindest so sein obwohl oder gerade weil die EU versucht, diese wichtige Lebensphase immer stärker zu beschleunigen und daher der gesamtgesellschaftlich gefährliche Eindruck entstehen könnte, dieser Umstand hätte sich geändert.

Fußball-Klaus

Zum Leben gehören unter anderem Freizeitaktivitäten, wie beispielsweise der Besuch seiner Lieblingsmannschaft im Fußballstadion.

Man konnte mit Klaus vorzüglich über alle aktuellen und früheren Entwicklungen, Trends, Transfers, Ergebnisse, Träume, Wunder, Skandale und sonstigen Ereignisse in der Geschichte des Fußballs in Deutschland diskutieren.

Seine persönliche Leidenschaft im doppelten Sinne war und ist dabei immer der MSV Duisburg.

Verabschiedung

Es wird schwer sein, die große Lücke, die Klaus hier nun hinterlässt, entsprechend zu füllen. Am heutigen Tage geht eine Ära vorbei, die Ära Hansen.

Die Person, die für Klaus Hansen kommen wird, wird definitiv anders sein. Anders muss nicht schlecht sein. In fachlicher Hinsicht ist sie wahrscheinlich gut (wie alle Lehrenden hier), aber sie sollte auch eine starke Persönlichkeit in die Fachbereichsmannschaft einbringen. Das wünsche ich mir. Für uns alle. Nur dann wird es dem Fachbereich gelingen, weiterhin den Klassenerhalt zu schaffen.

Man sollte immer aufhören, wenn es am schönsten ist. Auch meine Zeit hier neigt sich dem Ende zu.

Dass es hier so schön war für mich und meinen Jahrgang, liegt meiner Meinung nach größtenteils an Klaus. Ich denke, das ist deutlich geworden.

Lieber Klaus, ich bedanke mich für die Zeit, die wir mit dir zusammen hier verbringen durften und wünsche dir alles Gute für deinen neuen Lebensabschnitt als Professor im (Un-)Ruhestand J!

Ich hoffe, du kommst noch mal vorbei.
Denn am schönsten is‘ auf’m Platz.

Eine Vorlesung dauert 90 Minuten. Vereinstreue dagegen ein Leben lang.

Martin Püschel im Juni 2013

Veranstaltungshinweis

Am Donnerstag, 20.06.2013 von 16-17 Uhr wird Klaus Hansen anlässlich seiner Emeritierung eine Abschiedsvorlesung im Streifenhörnchensaal (Fachbereich Wirtschaftswissenschaften am Ende des Gebäudetrakts) halten.

Ich werde dort auch das Wort ergreifen. Denn für mich ist dieses Ereignis auch persönlich sehr ergreifend.

Post an die Bundesregierung, betr.: Betreuungsgeld

Sehr geehrte Damen und Herren,
sehr geehrte Bundesregierung,
sehr geehrte Frau Dr. Merkel,

das von Ihnen geplante Betreuungsgeld finde ich aus der Sicht eines angehenden Sozialarbeiters, der ich bin, äußerst bedenklich.

Zum einen führt es sehr wahrscheinlich dazu, dass das Durchbrechen alter Erwerbsmuster/Rollenbilder nach wie vor verhindert wird und Frauen dadurch „an den Herd“ verdammt werden. Zum anderen ist nicht gesichert, dass – insbesondere in den ersten Lebensjahren – die „Familie“ als Sozialisationsinstanz ausreicht, um bestimmte Werte (Altruimus, Empathie, Toleranz etc.), die wir in einer funktionierenden Demokratie benötigen, sofern wir sie erhalten wollen, vermitteln zu können. Hierfür fehlt insbesondere der Kontakt mit Gleichaltrigen, der ja im Kindergarten ermöglicht werden würde.

Kurz gefasst ist es also meiner Meinung nach arbeits(markt)politisch und familienpolitisch ein Fiasko!

Ich hoffe, dass Ihre Bundesregierung 2013 abgewählt werden wird, damit Beschlüsse wie dieser schnell wieder korrigiert werden können.

Beste Grüße
Martin Püschel

Aufruf zum Boykott der EM 2012 in der Ukraine

Anlässlich der medialen Berichterstattung der letzten Tage, Wochen und Monate – woraus unter anderem hervor ging, dass heimatlose Hunde und Katzen sinnlos ermordet werden (siehe auch: http://www.peta.de/web/peta.5131.html) – und insbesondere in diesem Kontext des Umgangs der ukrainischen Regierung mit der Oppositionsführerin Julija Timoschenko, die (vermutlich aus politischen Gründen) derzeit eine siebenjährige Haftstrafe verbüßt (vgl.: http://www.spiegel.de/politik/ausland/fall-timoschenko-eu-kommission-boykottiert-em-in-der-ukraine-a-831203.html), rufe ich hiermit öffentlich zum Boykott der EM 2012 auf.

So gerne ich auch fußballerische Events verfolge, so leidenschaftlich bin ich auch ein Verfechter von Menschenrechten, Tierrechten, sozialer Gerechtigkeit und demokratischer Kultur in unserer Gesellschaft.

Und da sich beides nicht miteinander und auch nicht mit meinem Gewissen vereinbaren lässt und lassen wird im Kontext der EM 2012 und das Ereignis vermutlich auch nicht mehr in ein anderes Land wird verlegt werden (können), ziehe ich für mich persönlich daraus diese Konsequenzen.

Außerdem appelliere ich hiermit an die Zivilgesellschaft in der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union, es mir gleich zu tun.